Meningokokken-Erkrankungen      Erreger      Krankheitsbild      Behandlung und Prophylaxe      Epidemiologie      Impfung      Überwachung      Mehr zu diesem Thema Erreger Meningokokken-Erkrankungen werden durch Bakterien (Neisseria meningitidis) hervorgerufen. Aufgrund unterschiedlicher Kapseleigenschaften der Meningokokken werden derzeit zwölf verschiedene Serogruppen (z. B. A, B, C, Y, W135) unterschieden, wobei in Deutschland Serogruppe B (ca. 50–60 % der Fälle) und Serogruppe C (ca. 20–30 % der Fälle) bei den Erkrankungsfällen dominieren. Die Übertragung der Meningokokken erfolgt durch engen Kontakt mittels Tröpfcheninfektion. Außerhalb des menschlichen Körpers sterben die Bakterien rasch ab. Bei etwa 10 % der Bevölkerung sind Meningokokken (dann meist apathogene, nicht-invasive Stämme) im Nasen-Rachen-Raum vorhanden, ohne dass sie zu einer Erkrankung führen. In seltenen Fällen treten jedoch schwere Erkrankungen auf. Krankheitsbild Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen Infektion und ersten Symptomen) dauert in der Regel 3 bis 4 Tage, kann aber einen Zeitraum von 2 bis 10 Tagen umfassen. Nach einem kurzen Vorstadium mit uncharakteristischen Symptomen wie bei einer beginnenden Erkältung treten oft Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel, Erbrechen, Nackensteifigkeit und schweres Krankheitsgefühl auf. Häufig bestehen auch rotviolette Hautblutungen. Die Erkrankung manifestiert sich danach innerhalb weniger Stunden meist als Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis) oder als Sepsis. Eine besonders schwere Verlaufsform im Sinne eines septischen Schocks ist dasWaterhouse-Friderichsen-Syndrom, das mit einer hohen Sterblichkeit (35 %) einhergeht. Behandlung und Prophylaxe Eine unverzügliche Antibiotika-Behandlung ist für die Prognose einer Meningokokken-Erkrankung entscheidend. Für enge Kontaktpersonen zu einem Meningokokken-Fall wird von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) eine vorbeugende Gabe von Antibiotika (Chemoprophylaxe) empfohlen, um sie vor einer Infektion zu schützen. Epidemiologie Meningokokken-Erkrankungen treten weltweit mit unterschiedlicher Häufigkeit auf. Während im Meningitisgürtel der Subsaharazone und in Asien häufig große Epidemien zu verzeichnen sind, treten Meningokokken-Erkrankungen in Europa vergleichsweise selten, meist als Einzelerkrankungen oder in Form von kleineren regionalen Häufungen auf. In Bayern werden jährlich zwischen 50 und 100 invasive Meningokokken-Erkrankungen registriert. Die Häufigkeit von 0,4 bis 0,8 Erkrankungsfällen pro 100.000 Einwohner entspricht auch der bundesweiten Inzidenz (ca. 400 Erkrankungen jährlich). Hierbei sind hauptsächlich kleine Kinder bis fünf Jahre und Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren betroffen (mit je 20–30 % der Fälle). Impfung Es existieren Impfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppen C, A, W135 und Y, wobei in Deutschland die drei letztgenannten Serogruppen eine untergeordnete Rolle spielen. Daher wird in Deutschland bei Impfindikation der gut verträgliche konjugierte MenC-Impfstoff empfohlen, der nur gegen Meningokokken der Serogruppe C wirkt, aber im Gegensatz zu den anderen Impfstoffen auch bei Säuglingen und Kleinkindern einen wirksamen und lang anhaltenden Impfschutz aufbaut. Seit dem Jahr 2006 empfiehlt dieSTIKO eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder im 2. Lebensjahr sowie entsprechende Nachimpfungen für Kinder, bei denen die Impfung versäumt wurde. Gegen Meningokokkenerkrankungen der Serogruppe B besteht in Deutschland derzeit keine effektive Impfung. Überwachung Der direkte Nachweis von Meningokokken aus Liquor, Blut, hämorrhagischen Hautinfiltraten oder anderen sterilen Körpersubstraten (alles Hinweise auf das Vorliegen einer invasiven Meningokokken-Erkrankung) ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Ärzte sind auch zur Meldung verpflichtet, wenn sie eine Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis festgestellt haben. Auch Todesfälle und Verdachtsfälle sind bei diesen Krankheitsformen meldepflichtig. Dies bedeutet, dass Untersuchungslabore bzw. Ärzte alle Meningokokken-Befunde und Erkrankungsfälle an das Gesundheitsamt am Wohnort des Patienten melden müssen. Das Gesundheitsamt ermittelt die Kontaktpersonen und empfiehlt Antibiotika-Behandlung für enge Kontaktpersonen, um weitere Erkrankungsfälle zu verhindern. Die Gesundheitsämter übermitteln die Fälle an die zuständige Landesstelle (in Bayern: das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)). Die Landesstelle überprüft die Meldungen und analysiert z. B. die Anzahl und regionale Verteilung der Fälle, um Häufungen zu entdecken. Anschließend werden die Fallmeldungen an das Robert Koch-Institut weitergeleitet. ____________________________________________________________________________________________________________ Was ist eine Meningokokken-Meningitis?  Die Meningokokken-Hirnhautentzündung ist eine Entzündung des Gewebes, welches das Gehirn und das Rückenmark umgibt.  Was ist eine Meningokokken-Sepsis?  Bei einer Meningokokken-Sepsis wird das Blut mit Meningokokken-Bakterien und deren Giftstoffen überschwemmt. Als Folge kommt es  zu einer Schädigung der Blutgefäße, was zu einem Eindringen von Blut in und unter die Haut führt.  Am Körper entstehen Blutpunkte  (Petechien), Blutblasen oder rot-violette Flecken. In den schlimmsten Fällen können nur Amputationen das Leben der Betroffenen  retten. Wie hoch ist das Risiko an Meningokokken zu erkranken?  10-25% aller Deutschen tragen die bakteriellen Erreger in sich und geben sie durch Tröpfcheninfektion wie Husten, Niesen und Küssen  an andere weiter, ohne daran selbst zu erkranken. Besonders gefährdet sind Kleinkinder und Jugendliche: Bei Kleinkindern ist das  Immunsystem noch nicht stabil ausgebaut, sodass die aggressiven Bakterien einfacher das Immunsystem überwältigen können. Bei  Jugendlichen ist es der steigende soziale Kontakt in Diskotheken, auf Partys oder mit Intimpartnern, der zu einer erhöhten Gefahr  führt. Wie erkennt man eine Erkrankung?  Häufig gehen der Meningokokken-Erkrankung akute Erkältungssymptome voraus. Ohne Übergang kann es plötzlich zu starken  Kopfschmerzen kommen, die schnell stärker werden. Meistens tritt hohes Fieber auf, der Kranke muss sich übergeben, leidet unter  Nackensteifigkeit. Bei Babys und Kleinkindern sind die Symptome weniger eindeutig. Es kommt oftmals zu Appetitlosigkeit,  ungewöhnlich schrillem Schreien, Unruhe, Stöhnen und fleckiger Haut.  Kann man eine Meningokokken-Erkrankung behandeln?  Ja, sowohl die Meningokokken-Meningitis als auch die Sepsis können mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt werden. Für den  Behandlungserfolg ist es jedoch sehr wichtig, die Krankheitszeichen frühzeitig zu erkennen und umgehend einen Arzt oder ein  Krankenhaus aufzusuchen. Wird die Meningokokken-Erkrankung erst in einem späteren Stadium erkannt, kann es zu bleibenden  Schäden kommen oder die Erkrankung kann tödlich verlaufen.  Erkrankungszahlen für Deutschland  In Deutschland erkranken jährlich 400 - 800 Personen an einer Meningokokken-Meningitis. Bei etwa jedem Zweiten treten  punktförmige Blutungen unter der Haut auf. Trotz Behandlung sterben 10 Prozent der Erkrankten und 20 Prozent müssen mit  Spätfolgen wie lebenslanger Taubheit oder der Amputation von Gliedmaßen leben.  Wie kann man sich vor einer Meningokokken-Erkankung schützen?  Den sichersten Schutz gegen die Meningokokken-Erkankung bietet die Schutzimpfung. Bislang steht nur ein Impfstoff gegen die Typen A, C, W 135 und Y zur Verfügung, nicht jedoch gegen B. Eine Schutzimpfung speziell gegen Meningokokken C empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut seit 2006 für alle Kinder ab dem ersten vollendeten Lebensjahr
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