Kelly`s Ride X

  

Am 11.02.2011 wusst ich nicht das dieser Tag der schlimmste Tag meines Lebens wird.

 

Der Tag hat ganz normal begonnen. Elijah ist am Morgen wach geworden, ich habe ihn angezogen und er ist gleich zu seinen Spielsachen gelaufen. Meinen ältesten Sohn Noah habe ich dann für die Schule fertig gemacht. Elijah und ich haben Noah noch an die Haltestelle gebracht. Anschließend habe ich Elijah nochmal hingelegt.

 

Um 11.00 Uhr ist er dann wach geworden, und hat mich ganz komisch angeschaut. Ich habe  ihn dann auf meinen Arm genommen. Er legte direkt seinen Kopf an meine Schulter und hat sich ganz fest an mich gepresst. Ich habe seine Temperatur gemessen, er hatte 38,4. Ich dachte mir ok er hat Fieber und ist deswegen so komisch. Aber es sollte sich rausstellen das es viel schlimmer kommen wird.

 

Noah kam zwischen zeitlich auch schon wieder von der Schule und wir wollten gerade zusammen essen, als Elijah anfing am ganzen Körper zu zittern. Ich habe sofort den

Kinderarzt angerufen und die Situation geschildert. Er meinte ich soll mich auf den Weg zu ihm machen. Ich legte Elijah in sein Bettchen um ihn anzuziehen. Doch plötzlich krampfte er ganz schlimm, hat seine Augen verdreht und seine Lippen liefen blau an. Ganz erschrocken und mit zitternden Händen hab ich mein Kind genommen, bin zu den den Nachbarn gelaufen und hab sie gebeten den Notarzt zu rufen. Dieser kam dann auch mit Blitzlicht. Noch bevor die Rettungskräfte eintrafen hatte Elijah sich schon ausgekrampft. Nach einer kurzen Untersuchung baten mich die Rettungskräfte dann, zur Überwachung, mit ins Krankenhaus zu kommen. Das taten wir dann auch. Um 13.00 Uhr waren wir in der Aufnahmestation angekommen. Man hat Elijah untersucht und Blut abgenommen. Während der ganzen Untersuchung lag mein Sohn nur in seinem Bettchen und hat mich angeschaut, er sagte nichts, lachte nicht und weinte auch nicht. Seine Temperatur stieg mittlerweile auf 40° an und sein Herzschlag lag bereits bei 200. Zwischenzeitlich hatte er sich auch schon übergeben. Es ging ihm zunehmend schlechter.

Gegen 19.00 Uhr kam er dann endlich auf die Kinderstation. Am Pulsometer angeschlossen hatte er immer noch einen Puls von 200 und seine Temperatur lag immer noch bei 40°. Zudem kam noch, das Elijah immer unruhiger wurde. Mittlerweile hatte er schon 13 Stunden lang hohes Fieber und einen hohen Puls. Zusätzlich atmete er sehr schwer. Mittlerweile war es schon nach 0.00 Uhr und Elijah ging es weiterhin sehr schlecht, er hatte immer noch sehr hohes Fieber, einen hohen Puls und wurde immer unruhiger. Nun kam dazu das er sich ständig an die Stirn faste und stöhnte. Ich hab ihn gestreichelt um ihn zu beruhigen. Aber ich wurde das Gefühl nicht los das mein Sohn eine schwerwiegende Erkrankung hat und machte mir sehr große Sorgen. Als ich in einem Abstand von 15 min erneut nach ihm schaute hatte er 2 rote Punkte an der Stirn. Als ich seine Decke hoch hob, hatte er es bereits am ganzen Körper. Ich habe erneut sofort die Schwester gerufen, die dann einen Arzt rief. Der Arzt hat sich Elijah dann angeschaut und meinte, das ich meinen Sohn ins Untersuchungszimmer bringen soll. Auf dem Weg vom Zimmer ins Untersuchungszimmer wurden die Flecken an Elijah’s Körper doppelt so viel, vorallem am Bein waren großflächige Flecken. Mein Sohn lag nur mit Pampers gekleidet da und war übersäht von diesen roten dunklen Flecken. Ich habe um Hilfe geschrien und gezittert, aber keiner wußte was genau mit meinem Sohn los ist. Gegen 3.00 Uhr kam dann endlich ein Oberarzt. Man hat mich dann aus dem Untersuchungszimmer geschickt. Von draussen konnte ich hören das Elijah wie am Spieß schrie. Plötzlich hörte das Schreien auf und ich dachte mein Sohn ist „tot“. Ich habe dann sofort die Tür aufgerissen und sah meinen Sohn regungslos  da liegen, man hatte ihm eine Lumbalpunktion gemacht. Als man ihm nun die Branüle legte um ihm das Antibiotikum zu verabreichen, zeigte er weder eine Regung noch weinte er wegen Schmerzen. Ich hielt während dieser Zeit seine Hand. Irgendwann bekam Elijah dann einen septischen Schock.

 

Elijah kam dann so gegen 3.30 Uhr endlich auf die Intensivstation. Die Ärzte auf der Intensivstation taten alles erdenklich Mögliche um sein Leben zu retten. Der Professor der Intensivstation kam dann zu uns (meine Familie war zwischenzeitlich schon da) und klärte uns über die momentane Situation auf, es war so schlimm. Er sagte uns das Elijah mit hoher Wahrscheinlichkeitdie schlimmste Form einer Meningokokkeninfektion hat, das es sehr bedrohlich sei und er daran sterben könnte. Es war wie ein Stich ins Herz, ich wollte es nicht wahr haben. Weiterhin sagte er das sie noch nicht sagen können ob Elijah beide Formen einer Meningokokkeninfektion hat (Meningokokkensepsis und Meningitis). Aber sie vermuteten es stark, da der Verlauf seiner Erkrankung so drastisch ist. Elijah verlor zuviel Blut, welches in sein Gewebe dringt und alle seine Organe angreift. Der Professor sagte auch das sie zwar alles Mögliche machen um es aufzuhalten, aber momentan läuft das Blut zu schnell raus, als das man schnell genug neues Blut geben könnte. Dann sagte er uns schließlich das Elijah eine Überlebenschance von nur 30% hat. Ich breche in Tänen aus, es reißt mir die Beine weg. Das zu hören ist das schlimmste was einer Mutter passieren kann.

 

Das Warten bringt mich um, mein Herz schlägt sehr schnell. Ich habe Angst vor dem was kommt. Meine Familie kann mich nicht beruhigen, der Schock in ihnen liegt auch sehr tief. Allerdings ist meine Schwester noch am stärksten von uns allen und gibt mir Halt. Das Warten wird zur Qual, aber wir lassen die Ärzte ihre Arbeit machen, in der Hoffnung das sie mein Kind retten.

 

Nach vielen Stunden kommt der Professor endlich wieder und sagt uns das Elijah zwar noch nicht über den Berg ist, allerdings kommen sie mit der Vergabe der Blutkonserven sowie vielen andern Flüssigkeiten gut nach. Sie hoffen das das auch so bleibt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, aber ich weiß auch das es noch lange  nicht vorbei ist. Ich denke „mein kleiner armer Engel, warum mußte dir das nur passieren, was hast du getan das du all dies erleiden mußt.“

 

Die Ärzte der Intensivstation haben Elijah schließlich ins künstliche Koma versetzt, denn nur so können sie ihn retten. Nach und nach erfahren wir das die Bakterien viele seiner Organe beschädigt haben. Seine Lunge, die Nieren, die Leber und vorallem seine Extrimitäten. Sein Gehirn scheint Gott sei Dank in Ordnung zu sein. Dann teilt uns der Professor mit das sie ein Teil von Elijah’s Beinen amputieren müssen, da das Antibiotikum nicht schnell genug an den Beinen angelangt ist um diese zu retten. Man müsse so schnell wie möglich amputieren damit die Bakterien nicht aufsteigen und noch mehr verursachen. Zu diesem Zeitpunkt hieß es das Elijah alle Fußkuppen verlieren wird. Mit so einer Nachricht habe ich nicht gerechnet. Es schien mit jeder Mitteilung des Professors immer schlimmer zu werden und ich hatte Angst vor dem was noch kommt. Meine Familie versuchte mich zu beruhigen und mir klar zu machen das wir jetzt die richtige Entscheidung treffen müssen bevor die Krankheit weiter schreitet und noch mehr verursacht. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen, aber riss mich zusammen.

Jedoch bekamen wir am nächsten Tag die Nachricht das die Amputation mittlerweile alle Zehen betrifft. Ein paar Tage später hieß es dann das es sich mittlerweile  um beide Vorfüsse handelt. Bevor es schließlich beide ganze Füße betraf. Das war so schlimm für mich, ich hatte das Gefühl ich überstehe das Ganze nicht. Aber es sollte noch schlimmer kommen, denn zum Schluß hat man festgestellt das seine beiden Beine so stark beschädigt sind das man die Amputation weiter oben ansetzen muß um ihn zu retten. Sie beschlossen Elijah nach Mannheim, in eine Spezialklinik für solche Amputationen, zu verlegen. Nach insgesamt 4 Wochen auf der Intensivstation wurde Elijah dann per Hubschrauber nach Mannheim auf die Intensivstation verlegt.

 

Mittlerweile ist Elijah schon 6 Wochen im Koma, und dann war er da, der mit Abstand schlimmste Tag in meinem Leben. Elijah mußte an den Ort an dem die Amputation stattfinden sollte gebracht werden. Man kann dieses Gefühl nicht beschreiben, man ist unter Schock, das Atmen fällt schwer und alles scheint einem aus den Händen zu gleiten.

Nach mehreren Stunden kam Elijah schließlich wieder hoch, aber diesmal ohne Beine. Auf Grund der fortgeschrittenen Krankheit hat man Elijah, rechts das Bein oberhalb des Knies und links das Bein unterhalb des Knies amputiert.

Dieser Anblick riss mir den Boden unter den Füssen weg, ich wurde ohnmächtig.

 

2 Wochen später war die nächste OP, Elijah mußte Haut transplantiert werden. Man hat ihm den ganzen Kopf abrasiert um die zu transplantierende Haut dort zu entnehmen.

Elijah soll aus dem Koma geholt werden. Man teilte mir mit das dies eine schlimme Situation werden wird. Das bedeutet das er erneut durch die Hölle muss.

Der Entzug war schlimm, Elijah hat ständig gezittert, halluziniert, erbrochen, gekrampft und geschrien. Man ist da , aber man kann nichts machen um ihm sein Leiden zu lindern. Zu sehen was dein Kind gerade durchmacht, ist mit keinem Wort zu beschreiben. Es ist als ob dir die Kehle zugedrückt wird und man keine Luft mehr bekommt.

Dadurch das Elijah noch unter starken Medikamenten stand lag er nur da und schaute mich hilflos an. Ich versuchte alles Mögliche damit er mir ein kleines Lächeln schenkt oder etwas sagt, aber vergebens. Er lag regungslos da. Ich fragte den Arzt ob es möglich wäre seinen Bruder ans Bett holen zu dürfen. Elijah hatte sich immer sehr gut mit Noah verstanden und sie hatten immer sehr viel Spaß zusammen. Vieleicht freut er sich seinen Bruder zu sehen und sagt was. Ausnahmsweise durfte Noah rein. Aber wir mussten ihm sagen das er nicht die Decke aufschlagen darf, um ihm den  Anblick zu ersparen.

Die Schwestern haben Noah dann vorbereitet und ihn ins Zimmer begleitet. Ich stand neben Elijah und habe seine Hand gehalten. Als Noah das Zimmer betrat sagte Elijah „Noah“. Er hatte sich so darüber gefreut seinen Bruder zu sehen, das er nach fast 3 Monaten ohne ein Wort wieder anfing zu sprechen. Es war das schönste Gefühl die Stimme meines Sohnes wieder zu hören. Die Ärzte und die Schwestern freuten sich mit uns mit, es war wie ein Wunder. Uns allen liefen vor Freude  die Tränen.

 

Elijah wurde nun auf die normale Station verlegt, und anschließend kamen wir in eine Reha. Wir waren insgesamt 5 Monate in Reha, in der Orthopädie in Heidelberg.

Dort wurde Elijah bestens versorgt und behandelt. Wir wurden auf die kommende Zeit vorbereitet. Nach fast 11 Monaten Aufenthalt in Kliniken und Rehabilitations-einrichtungen  kamen wir endlich nach Hause. Nun fing das neue Leben von Elijah, seinem Bruder und mir an. Wir wußten das es nicht einfach werden wird und es eine riesen Umstellung für uns bedeuten wird, aber wir waren bereit für diese neue Herausforderung.

 

Jetzt 4 Jahre später ist Elijah ein 5 jähriger, glücklicher, temperamentvoller und starker Junge, der sein Leben mit Prothesen und Rollstuhl meistert.

 

 

 

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